(Politische) Herbstgefühle
Parkett von Mark Wisskirchen im Klotener Anzeiger
So oft wie in diesem Sommer war ich wahrscheinlich noch nie im Wasser. Im Zürichsee oder Greifensee, aber auch in der Bündner Surselva, etwa im Lac Claus oder Lac de Laus, sowie in kühlenden Bächen und Flüssen auf Wanderungen. Im Unterland sorgten die anhaltend hohen Temperaturen allerdings dafür, dass die erhoffte Erfrischung in den Seen mit der Zeit immer mehr ausblieb. Umso mehr geniesse ich diese kleinen Auszeiten in der Natur: an Seen, Flüssen und Bächen, auf Wanderungen oder einfach bei einer kurzen Tour mit dem Gravel-Bike. Es sind genau diese Momente, die mir wertvoll sind, den Kopf zu lüften, draussen unterwegs zu sein, die Landschaft auf mich wirken zu lassen und mich an den kleinen wie auch den grossen Schönheiten zu erfreuen.
Dissens bei politischen Forderungen
Es ist wieder ein Abstimmungssonntag, und ich versuche, Ihnen ein paar persönliche und politische Gedanken weiterzugeben. An diesem Sonntag bewegen vor allem die nationalen Abstimmungsvorlagen zur Neutralitäts- und zur Ernährungsinitiative die Schweiz. Beide Vorlagen dürften nur geringe Chancen haben, angenommen zu werden. Dennoch hat insbesondere die Neutralitätsinitiative mit ihren zahlreichen und gross angelegten Inseraten eine wertvolle öffentliche Diskussion angestossen. Sie fordert eine striktere Verankerung und Auslegung der Schweizer Neutralität in der Bundesverfassung. Aber auch die Initiative zur Ernährungssicherheit greift wichtige Fragen auf für eine höhere Nettoselbstversorgung und einen sorgsameren Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen.
Was verbindet uns?
Die beiden Vorlagen zeigen einmal mehr, dass gute Ansätze und wichtige Anliegen nicht automatisch mehrheitsfähig werden, wenn sie in zu weitgehenden politischen Forderungen formuliert sind. Gerade deshalb ist es wichtig, auch über Abstimmungssonntage hinaus über die dahinterstehenden Themen zu diskutieren. Denn auch eine an der Urne abgelehnte Vorlage kann wichtige Impulse für die politische Entwicklung und unsere Demokratie geben. Am vergangenen eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag wurde mir durch eine inspirierende Predigt im ökumenischen Gottesdienst wieder bewusst, was unsere föderale und neutrale Schweiz ausmachen kann. In einer zunehmend heterogenen Gesellschaft mit unterschiedlichen Lebensentwürfen und Vorstellungen über unser Zusammenleben braucht es die Bereitschaft, verschiedene Perspektiven auszuhalten, einander zuzuhören und nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Konsens bedeutet nicht, dass alle dieselbe Meinung vertreten. Vielmehr geht es darum, trotz unterschiedlicher Überzeugungen gemeinsame Grundlagen für ein respektvolles und friedliches Miteinander zu schaffen. Ich bin bereit, meinen Beitrag zu leisten und mit meiner privaten wie politischen Verantwortung für ein Zusammenleben einzustehen, das verbindet, statt zu trennen.
Mein persönliches Herbstgefühl
Ich hoffe auf einen Herbst mit kühleren Temperaturen und dem dringend benötigten Regen. Die Natur und auch die Landwirtschaft sind darauf angewiesen, damit sich unsere Landschaft erholen kann und wir ihre kleinen und grossen Schönheiten weiterhin geniessen dürfen.